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Sempergalerie öffnet nach Verjüngungskur

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(© SIB. Tobias Lorenz)

Blick in die sanierten Ausstellungsräume.

Blick in die sanierten Ausstellungsräume.
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(© SIB. Tobias Lorenz)

Blick in die sanierten Ausstellungsräume.

Blick in die sanierten Ausstellungsräume.

Am 29. Februar 2020 öffneten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) die weltberühmte Gemäldegalerie Alte Meister und die Skulpturensammlung bis 1800 im Semperbau am Zwinger nach einer Verjüngungskur. In den letzten sieben Jahren wurde die Sempergalerie durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement umfassend saniert.

Die letzte Sanierung fand Anfang der 1990er Jahre statt. In Folge steigender Besucherzahlen traten massive Abnutzungs- und Verschleißerscheinungen am Gebäude und an der Technik auf. Um auch während der Bauzeit die größten Meisterwerke präsentierten zu können, wurde das Bauvorhaben in zwei Bauabschnitte unterteilt. So erfolgte von 2013 bis 2015 die Sanierung des Ostflügels und von 2016 bis 2019 die Instandsetzung des Westflügels.

Wesentliche bauliche Eingriffe erfolgten im Dachraum. Die neu eingebauten Oberlichter schaffen mehr Transparenz und eine natürliche Beleuchtung in den Ausstellungssälen. Es wurden rund 100 neue dreifachverglaste Fenster eingebaut, die modernsten Sicherheitsanforderungen entsprechen und verhindern, dass UV-Licht auf die Gemälde trifft. Textile Rollos können bei starker Sonneneinstrahlung herunter gelassen werden. In den Hauptsälen und Seitenkabinetten wurde eine neue Lüftungsanlage installiert, die von außen fast nicht sichtbar ist. Durch sie strömt Frischluft von der unter dem Dach installierten Klimaanlage in die Ausstellungsbereiche.

Über 160 Figuren aus unterschiedlichen Epochen schmücken die Sempergalerie an der Außenfassade aus Sandstein. Diese wurde durch Steinmetze gereinigt und geschädigte Teile ersetzt. Eine vertikale Abdichtung im Sockel schützt das Gebäude vor eindringender Nässe.

Neu ist, dass die Besucher künftig aus dem Kassen- und Garderobenbereich direkt zu den Ausstellungsflächen in der Osthalle gelangen können. Möglich wird es durch einen unterirdischen Gang, der den Ost- und Westflügel verbindet. Er wurde bei laufendem Museumsbetrieb in einem bergmännischen Verfahren gebaut. Ebenfalls neugebaut wurden das Treppenhaus im Ostflügel sowie die Aufzugsanlagen. So ergeben sich für die Besucher geänderte Wege im Gesamtkomplex und verbesserte Fluchtwege. Auch die barrierefreie Erschließung und der Transport der Gemälde sind jetzt deutlich leichter.

Die Baukosten belaufen sich auf 49,8 Millionen Euro. Die Baumaßnahme wurde finanziert durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

 

Mit den Paraderäumen bekommt das Dresdner Schloss sein »Herz« zurück

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(© Michel Schneider (mic-vis.de). Quelle: Sächs. Immobilien- und Baumanagement, Niederlassung Dresden 1)

Visualisierung Audienzgemach

Visualisierung Audienzgemach
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(© Michel Schneider (mic-vis.de). Quelle: Sächs. Immobilien- und Baumanagement, Niederlassung Dresden 1)

Visualisierung Paradeschlafzimmer

Visualisierung Paradeschlaftzimmer
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(© SIB_Tobias Lorenz)

Derzeit laufen die Planungen für eine multifunktionale Nutzung des Großen Schlosshofes.

Derzeit laufen die Planungen für eine multifunktionale Nutzung des Großen Schlosshofes.
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(© SMF_Sandra Jäschke)

Eine künstlerisch sehr anspruchsvolle Aufgabe war die Rekonstruktion der zwei 100 Quadratmeter großen Deckengemälde von Louis de Silvestre im Paradeschlafzimmer und Audienzgemach.

Eine künstlerisch sehr anspruchsvolle Aufgabe war die Rekonstruktion der zwei 100 Quadratmeter großen Deckengemälde von Louis de Silvestre im Paradeschlafzimmer und Audienzgemach.
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(© SMF_Sandra Jäschke)

Um eine möglichst authentische Wirkung der Paraderäume zu erreichen, kamen längst vergessene oder kaum noch übliche Techniken zum Einsatz. So erfolgten Webarbeiten, Stickereien und Posamentierarbeiten der Firmen in Zusammenarbeit mit Manufakturen aus Frankreich, England, Spanien, Italien und Österreich, in denen dieses alte Wissen noch vorhanden war.

Um eine möglichst authentische Wirkung der Paraderäume zu erreichen, kamen längst vergessene oder kaum noch übliche Techniken zum Einsatz, wie zum Beispiel Webarbeiten, Stickereien und Posamentierarbeiten.
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(© SIB_Tobias Lorenz)

Die prunkvollsten Einrichtungsgegenstände waren das Paradebett und das Thronensemble. Sie werden durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement rekonstruiert bzw. restauriert.

Die prunkvollsten Einrichtungsgegenstände waren das Paradebett und das Thronensemble. Sie werden durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement rekonstruiert bzw. restauriert.
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(© SIB_Tobias Lorenz)

Rund 2,5 kg Feingold wurden für die Arbeiten in den Paraderäumen verbraucht.

Rund 2,5 kg Feingold wurden für die Arbeiten in den Paraderäumen verbraucht.

 

Der Ausbau der Paraderäume im Westflügel des Dresdner Schlosses, früher die höchstrangigen Bereiche der Kurfürsten, nähert sich dem Ende. Die Räume, darunter das Audienzgemach und das Paradeschlafzimmer, werden gegenwärtig in ihrer historischen Fassung von 1719 wiederhergestellt. August der Starke ließ diese anlässlich der Hochzeit seines Sohnes neu entstehen. Am 20. August 1719 heiratete Kurprinz Friedrich August die Kaisertochter Maria Josepha von Österreich in Wien.

Am 2. September 1719 fand der feierliche Einzug der Braut in Dresden statt. Sie wurde von August dem Starken und seiner Frau Christiane Eberhardine in den neuen Paraderäumen empfangen. Die Hochzeitsfeierlichkeiten in Dresden dauerten den ganzen September. Rund 300 Jahre später, seit dem 28. September 2019, sind die Paraderäume wieder öffentlich zugänglich. Ein weiterer Meilenstein beim Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses ist damit geschafft.

Die Bauarbeiten unter Regie der Niederlassung Dresden I des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement begannen im Jahr 2016. Diesen ging eine fast zehnjährige Bauforschung und Planungszeit voraus. Rund 300 Firmen arbeiteten an diesem Projekt mit. 
Die Kosten für die Wiederherstellung der Paraderäume betragen rund 35 Millionen Euro. Davon finanziert 12 Millionen Euro die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Baumaßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Für den Wiederaufbau des Schlosses sind insgesamt rund 389 Millionen Euro eingeplant, 351 Millionen Euro wurden bisher ausgegeben. Der Bund beteiligt sich über die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien mit 29 Millionen Euro an den Baukosten.

Eine künstlerisch sehr anspruchsvolle Aufgabe ist die Rekonstruktion der zwei 100 Quadratmeter großen Deckengemälde von Louis de Silvestre. Aus Fotos und Originalskizzen entstand eine Fassung, die dem barocken Original möglichst nahe kommt. Die Kunstwerke werden wie damals auf großformatigen Leinwänden gemalt, an den Decken von Paradeschlafzimmer und Audienzgemach befestigt und im Anschluss  »kopfüber« vollendet.

Die Paraderäume wurden wesentlich durch kostbare Textilien aus Goldtresse und Seidensamt geprägt. Ein Teil davon ist erhalten geblieben und heute in seiner Qualität einmalig. Er wird restauriert und an ursprünglicher Stelle eingesetzt. Für verlorene textile Elemente erfolgt eine »fadengenaue« Rekonstruktion. Um eine möglichst authentische Wirkung der Paraderäume zu erreichen, kamen längst vergessene oder kaum noch übliche restauratorische und handwerkliche Techniken zum Einsatz. So erfolgten Webarbeiten, Stickereien und Posamentierarbeiten der Firmen in Zusammenarbeit mit Manufakturen aus Frankreich, England, Spanien, Italien und Österreich, in denen dieses alte Wissen noch vorhanden war. Es handelt sich damals wie heute um ein Projekt mit europäischen Dimensionen.

Die prunkvollsten Einrichtungsgegenstände waren das Paradebett und das Thronensemble (Stuhl, Podest, Rückwand mit Pilastern, Baldachin). Sie werden durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement rekonstruiert bzw. restauriert. Mit ihrer Rückkehr schließt sich eine Lücke der königlich-kurfürstlichen Repräsentation im Dresdner Schloss.

Die Raumfolge im 2. Obergeschoss des Westflügels wurde Ende des 17. Jahrhunderts für Kurfürst Johann Georg IV., dem Bruder August des Starken, als Repräsentations- und Festetage eingerichtet. Dazu gehören der Eckparadesaal, das 1. und 2. Vorzimmer, das Audienzgemach, das Paradeschlafzimmer, die 1. und 2. Retirade und das Kleine und Große Bilderkabinett.

August der Starke ließ die Räume anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten 1719 umbauen. Schöpfer der Raumarchitektur waren Matthäus Daniel Pöppelmann und Raymond Leplat. Sie waren keineswegs private Gemächer, sondern die höchstrangigen Bereiche des Schlosses und dienten der offiziellen staatlichen Präsentation. Die Paradezimmer bilden eine zusammenhängende Enfilade, die sowohl funktional als auch gestalterisch aufeinander abgestimmt war. Dabei steigerte sich der Prunk der Innenarchitektur von Raum zu Raum und fand schließlich in Audienzgemach und Paradeschlafzimmer seinen Höhepunkt. Die Raumfolge blieb erhalten und wurde bereits 1922 bis zum Kriegsbeginn museal genutzt. Die während des Krieges ausgelagerten Ausstattungsgegenstände wie Möbel, Spiegel und Textilien blieben erhalten und kehren wieder in die rekonstruierten Räume zurück.

Als Rekonstruktionsgrundlage dienten Zeichnungen und Kupferstiche, die August der Starke im Rahmen der Umbauarbeiten anfertigen ließ. Ebenso der Schriftwechsel mit Graf von Wackerbarth, historische Bauunterlagen, fotografische Belege von 1868, 1920 und 1933 sowie Inventarverzeichnisse. Stuckreste und Kaminfragmente gaben ebenfalls wertvolle Hinweise.

 
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